Kaum eine Zeiterscheinung ist für junge Generationen so bezeichnend wie die «Fear of Missing Out». FOMO beschreibt die Angst, etwas «noch Besseres» zu verpassen. Sie ist mitunter das Resultat eines 24/7-Informationsflusses, ausgehend von digitalen Medien und sozialen Netzwerken. Durch die ständige Verfügbarkeit von Informationen wird das Gefühl vermittelt, die eigene Situation sei optimierbar – Zufriedenheit wird in einen relativen Kontext gestellt.

Es entsteht der für junge Generationen typische Wunsch nach Unverbindlichkeit. Man legt sich nur ungern fest. Denn es wäre ja möglich, dass man sich mit einer bindenden Entscheidung die Tür zu einer noch besseren Situation selber zuschlägt. FOMO lässt sich in vielen Lebensbereichen beobachten: oftmals im privaten Leben, aber eben auch im beruflichen – so beispielsweise bei der Wahl des Jobs.

Fachspezialisten wissen, dass sie begehrt sind

Ihr Job gefällt Ihnen wahrscheinlich gut, und doch gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Sie bei einem anderen Arbeitgeber eine noch bessere Stelle antreten könnten – theoretisch.

FOMO ist des Opportunismus grosser Bruder. Denn was spricht eigentlich dagegen, sich regelmässig interessante Jobangebote auf dem Silbertablett servieren zu lassen? Junge Talente und Fachspezialisten wissen, wie begehrt sie auf dem Arbeitsmarkt sind. Sie können es sich leisten, zwischen den besten Jobangeboten auszuwählen.

Der Rollentausch im Aktiv-Werden

Dieses Phänomen im Kern zu verstehen ist elementar für erfolgreiches Corporate Recruiting. Denn es bedeutet, dass Sie als HR Professional Ihre Einstellung ändern müssen. Weg vom «eine Stelle ausschreiben» und «Bewerbungen abwarten» hin zu «den Wunschkandidaten persönlich kontaktieren» und «als Unternehmen Interesse signalisieren».

Das eigene Unternehmen wie auch die Vakanz müssen dem Kandidaten in einem guten Licht präsentiert werden, damit dieser als «Passiv-Suchender» ein Interesse – oder eben eine FOMO – entwickelt. Durch diesen Prozess entsteht zwischen Arbeitgeber und Kandidat ein Rollentausch im Aktiv-Werden und Sich-Bewerben. Erfolgreiche HR-Manager gehen soweit, dass sie für die Wunschkandidatin eine massgeschneiderte Stelle schaffen, damit sich diese dem eigenen Unternehmen anschliesst.

Über den Autor

Tobias Haeberli

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